„Be not afraid of live. Believe that life is worth living, and your belief will help create the fact.“
William James
William James gilt als Begründer der Psychologie in den USA. Nebenbei war er auch ein Philosoph – vor allem einer, der sich mit den Auswirkungen der Philosophie auf das konkrete Leben beschäftigte. Das lag unter anderem an seinen eigenen Erfahrungen. James stand einmal kurz vor dem Freitod, das Leben schien für ihn keinen Sinn zu ergeben. Er rettete sich dadurch, dass er bewusst sein eigenes Denken – sein Weltbild – änderte. Er, der schon immer eine sehr experimentierfreudige Persönlichkeit an den Tag legte, versuchte einmal, ob ihm das Leben vielleicht besser gelänge, wenn er ganz anders daran heranging. Als Wissenschaftler der damaligen Zeit fiel es ihm schwer, an den freien Willen zu glauben – an seine Fähigkeit, irgendetwas zu beeinflussen in seinem Leben – doch nun, da jede andere Alternative versagt hatte, blieb ihm nur noch dieses Hilfsmittel übrig. Es half – James gewann seine Lust am Leben wieder, überwand seine Verzweiflung und hatte eine bahnbrechende Karriere vor sich.
Als Psychologe stieß James auf das Phänomen, dass bestimmte „Wahrheiten“ anscheinend nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn man an sie glaubt. Uns ist das heute als „self-fulfilling prophecies“ bekannt. Wenn man einen Berg besteigt und plötzlich überzeugt ist, unweigerlich in den Abgrund fallen zu müssen, kann es gut sein, dass einem genau das dann auch passiert. Wer die Herausforderung mit Überzeugung angeht, hat dagegen bessere Chancen, sie zu meistern. Immer vorausgesetzt, natürlich, dass man Bergsteiger ist. Der Glaube allein kann noch keinen Berg versetzen – aber er kann in manchen Bereichen des Lebens sehr wohl helfen. James zufolge, und hier schöpfte er aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, fällt die Frage nach dem Sinn des Lebens in diese Kategorie.
Das klingt alles sehr nach Optimismus und Selbstoptimierung – und in der Tat greift diese Bewegung immer wieder auf Einsichten der Selbstkultivierung zurück. Aber James‘ Philosophie war nicht auf materiellen Erfolg aus, und in seinem Leben und seiner Arbeit verfolgte er immer auch transzendente, oder spirituelle Ziele. Wir werden noch von ihm hören.

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